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Alt 17.02.2010, 12:32   #331 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Durch Blick Beitrag anzeigen
Ich gehöre zur nächsten Generation und konnte in meinem Leben verfolgen ...
Genau hier sind wir angekommen.
Richtiger kann man es nicht darstellen.

Diese sog. 68er nehmen für sich zwar die Veränderungen dreier Generationen zwischen 1955 und 1985 inklusive aller weltweiter Protest- und Jugendbewegungen in Anspruch - an denen sie ja nun wirklich nicht alleine und meist zu geringem Teil "gearbeitet" haben - obwohl "die 68er" eigentlich nur eine überschaubare intellektuelle Hochschulclique um einige auflagenstarke Meinungsführer war, deren praxisfernes Theoretisieren noch zwei Folgegenerationen wie Blei auf den Schultern liegt.

Tatsächlich führte ihr sog. "Marsch durch die Institutionen" zu einer Armada fundamentalistischer Apparatschiks, deren abgeschnarchte Parolen (schon etwa 1981 "von vorgestern") mit der Penetranz tibetanischer Gebetsmühlen ungefragt und egoman in fremde Gehirne gepustet werden - vermutlich noch ihre ganze unverdiente Rente lang.
Von den 68ern lernen heisst Machterhalt lernen.
__________________
Sobald man mir eine Dummheit nachgewiesen hat, setze ich schnell eine andere an ihre Stelle.

Voltaire
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Durch Blick (17.02.2010)
Alt 17.02.2010, 14:33   #332 (permalink)
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Zitat:
Zitat von koboldblau Beitrag anzeigen
Richtiger kann man es nicht darstellen.

Diese sog. 68er nehmen für sich zwar die Veränderungen dreier Generationen zwischen 1955 und 1985 inklusive aller weltweiter Protest- und Jugendbewegungen in Anspruch - an denen sie ja nun wirklich nicht alleine und meist zu geringem Teil "gearbeitet" haben - obwohl "die 68er" eigentlich nur eine überschaubare intellektuelle Hochschulclique um einige auflagenstarke Meinungsführer war, deren praxisfernes Theoretisieren noch zwei Folgegenerationen wie Blei auf den Schultern liegt.

Tatsächlich führte ihr sog. "Marsch durch die Institutionen" zu einer Armada fundamentalistischer Apparatschiks, deren abgeschnarchte Parolen (schon etwa 1981 "von vorgestern") mit der Penetranz tibetanischer Gebetsmühlen ungefragt und egoman in fremde Gehirne gepustet werden - vermutlich noch ihre ganze unverdiente Rente lang.
Von den 68ern lernen heisst Machterhalt lernen.
Der Gang durch die Institutionen hat natürlich zu einer Seilschaftsmentalität und zu einer Selbstbürokratiesierung geführt, die das Verfahren über die Sache, die Form über den Inhalt und das Prinzip über die lebensweltliche Unmittelbarkeit gestellt hat. Hier fehlt noch eine ganze Menge an Vergangenheitsaufarbeitung, die die 68iger wohl im Hinblick auf die Nazis, aber (noch) nicht im Hinblick auf sich selbst betrieben haben. Vielleicht steht es ihnen historisch betrachtet aber auch gar nicht zu, sich selbst aufzuarbeiten, dies betreiben in der Regel die nachfolgenden Generationen.
Allerdings warne ich davor, die 68iger für Versicherungsabzocke, Hartz4, Bildungsnotstand, Haushaltsdefizit und die Dekadenz der Oberschicht verantwortlich zu machen. Die Wurzeln all dieser Probleme liegen in der Logik des monopolistich ausgerichteten Kapitalismus, den die 68iger als größten Feind der Demokratie bezeichneten. "Die Wurzel des Faschismus ist das Kapital" war hier über Jahrzehnte in roten Lettern auf einem Kriegerdenkmal zu lesen. Vor kurzem hat man das Kriegerdenkmal gesäubert, der Schlußstrich ist gezogen! - Jetzt können wir wieder an unsere warmherzigen Altnazis zurückdenken ...
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Alt 17.02.2010, 14:42   #333 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Firecreek Beitrag anzeigen
Hier fehlt noch eine ganze Menge an Vergangenheitsaufarbeitung, die die 68iger wohl im Hinblick auf die Nazis, aber (noch) nicht im Hinblick auf sich selbst betrieben haben.
Ihre Ablösung von den sprachlosen Elternhäusern werden sie uns noch aus den Gräbern vorhalten.

Zitat:
Zitat von Firecreek Beitrag anzeigen
Vielleicht steht es ihnen historisch betrachtet aber auch gar nicht zu, sich selbst aufzuarbeiten, dies betreiben in der Regel die nachfolgenden Generationen.
Es stünde ihnen vor allem gut zu Gesicht, andere Generationen oder Halbgenerationen nicht ununterbrochen als debil und unkritisch zu verleumden.

Zitat:
Zitat von Firecreek Beitrag anzeigen
"Die Wurzel des Faschismus ist das Kapital" war hier über Jahrzehnte in roten Lettern auf einem Kriegerdenkmal zu lesen.
Ich empfehle (erneut)

"Hitler" von Joachim C. Fest (teilweise ja verfilmt)
Churchills Biografie (zum Gegencheck)
"Das Buch Hitler" (Auftragswerk von Stalin)
__________________
Sobald man mir eine Dummheit nachgewiesen hat, setze ich schnell eine andere an ihre Stelle.

Voltaire
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Durch Blick (19.02.2010)
Alt 18.02.2010, 02:14   #334 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Durch Blick Beitrag anzeigen
Ich gehöre zur nächsten Generation und konnte in meinem Leben verfolgen wie sich Dinge durch die Lebensentwürfe der 68 änderten, teils positiv, teils negativ.
Selbst ein alter Nazibolzen hatte menschlich wärmere Verhaltensweisen als diese Vögel als sie in Amt und würden kamen. So als Beispiel aus dem Arbeitsleben: Man hatte halt weil es einen Geburtstag zu Feiern gab mal etwas zu heftig einen hinter den Knorpel gekippt und kam morgens total verkatert, unausgeschlafen und noch fast in Totalsuff zur Arbeit (wer nachts säuft kann auch arbeiten, war die Devise und nicht mir ist es nicht und bleib mit dem Bobbes zu Hause). Die Reaktion vom alten Nazibolzen war noch: Na war wohl etwas heftig, mach dich vom Acker, schlaf dich erst mal aus, die Zeit kannst du Nacharbeiten. Die des neuen, ach so toleranten 68, war die Abmahnung. An diesem kleinen Beispiel will ich mal einen grundlegenden Unterschied aufzeigen, andem sich für mich dann die Frage stellt, wer ist da der eigentliche Nazi. So haben sich im laufe der Zeit viele kleine Dinge im laufe der Zeit zu eigentlich unmenschlichen Verhaltensweisen entwickelt. Ich weiß nicht mehr von welcher Person der Satz stammt, dass er stimmt, kann ich aber klar an neuesten Begebenheiten erkennen.
Zitat von ?
Wer seine Kinder antiautoritär erzieht, wird eines Tages autoritär von ihnen erzogen.
zitat Ende
Genau hier sind wir angekommen. Es werden Leute entlassen wegen einem Brötchen. In Betrieben herrscht eine Mobbingkultur die Menschen krankmacht. Wir sind mit rücksichtslosen Egomanen konfrontiert, deren wir nicht mehr Herr werden.
Der psychische Druck der inzwischen Einzug gehalten hat ist noch schlimmer als die Sklavenpeitsche, da sie die Grundfesten des Menschen zerstören. Die folgen sind Amokläufer und steigende Suizidzahlen. Genau hier ist ein Aufarbeitungsbedarf entstanden der sich genau so schonungslos mit den 68 Lebensentwürfen auseinandersetzt, wie man sich mit den Lebensentwürfen der Nazizeit auseinandersetzt. Beide sind meiner Ansicht nach Extreme.
:think:
Du hast recht, da wurde etwas umgekehrt.
Die Namen kennen wir und ich erspare uns das.
Es kommt doch immer wieder auf diesen Nenner zurueck:
Gib jemandem Macht und er wird ein Nazi. Oder was immer sich fuer ihn lohnt.
Wenn ich hier ueber die 68er schreibe, dann rede ich nicht von diesen Knalltueten.
Ich erinnere mich an jene, mit denen ich gemeinsam neue Wege gegangen bin.
Fuehle mich mit schlabund und dem postman verbunden, weil die auch sie selber geblieben sind.
Fahre diese Geschichte nicht auf Idioten herunter, die ihre Persoenlichkeit in der Politik verkauft haben, oder auf arrivierte Trittbrettfahrer, die dir in der Firma einen erzaehlen wollen.
Das hat nichts mit der 68er Bewegung zu tun. Das sind menschliche Wracks wie du sie ueberall triffst.
Die Bewegung war eine gute, keine Frage.

:brasil:
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Durch Blick (18.02.2010)
Alt 18.02.2010, 02:20   #335 (permalink)
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Zitat:
Zitat von koboldblau Beitrag anzeigen
Es stünde ihnen vor allem gut zu Gesicht, andere Generationen oder Halbgenerationen nicht ununterbrochen als debil und unkritisch zu verleumden.
Persoenlich nehme ich fuer mich das Recht in Anspruch, auf einen gewissen Mangel an "balls" hinzuweisen.
Dieses Recht habe ich mir uebrigens redlich verdient.
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Alt 18.02.2010, 11:15   #336 (permalink)
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Zitat:
Zitat von Firecreek Beitrag anzeigen
Der Gang durch die Institutionen hat natürlich zu einer Seilschaftsmentalität und zu einer Selbstbürokratiesierung geführt, die das Verfahren über die Sache, die Form über den Inhalt und das Prinzip über die lebensweltliche Unmittelbarkeit gestellt hat. Hier fehlt noch eine ganze Menge an Vergangenheitsaufarbeitung, die die 68iger wohl im Hinblick auf die Nazis, aber (noch) nicht im Hinblick auf sich selbst betrieben haben. Vielleicht steht es ihnen historisch betrachtet aber auch gar nicht zu, sich selbst aufzuarbeiten, dies betreiben in der Regel die nachfolgenden Generationen.
Allerdings warne ich davor, die 68iger für Versicherungsabzocke, Hartz4, Bildungsnotstand, Haushaltsdefizit und die Dekadenz der Oberschicht verantwortlich zu machen. Die Wurzeln all dieser Probleme liegen in der Logik des monopolistich ausgerichteten Kapitalismus, den die 68iger als größten Feind der Demokratie bezeichneten. "Die Wurzel des Faschismus ist das Kapital" war hier über Jahrzehnte in roten Lettern auf einem Kriegerdenkmal zu lesen. Vor kurzem hat man das Kriegerdenkmal gesäubert, der Schlußstrich ist gezogen! - Jetzt können wir wieder an unsere warmherzigen Altnazis zurückdenken ...
Die Seilschaftsmentalität ist unserer Spezie Eigenheit. Das kann man schon an dem Ausspruch ,"Eine Hand wäscht die Andere", ganz klar und deutlich Erkennen. Dies ist glaube ich sogar das Erfolgsprinzip, welches uns auf die jetzige Evolutionstreppestufe befördert hat.
Das mit dem warmherzigen Altnazi soll wohl ein Querhieb auf mein Beispiel sein. Ich habe da gar kein warmherziges zurückdenken. Ich wollte damit nur etwas überspitzt eine Entwicklung im Verhaltensmuster des persönlichen Umgangs miteinander im Arbeitsleben aufzeigen.
;)
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Alt 18.02.2010, 11:25   #337 (permalink)
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Zitat:
Zitat von zenoncroco Beitrag anzeigen
Persoenlich nehme ich fuer mich das Recht in Anspruch, auf einen gewissen Mangel an "balls" hinzuweisen.
Dieses Recht habe ich mir uebrigens redlich verdient.
Nostalgisches Vorurteil.
Die Auseinandersetzungen der späten 70er und frühen 80er waren beileibe gewalttätiger. Schon weil mehr als ein paar verunsicherte Verkehrspolizisten dagegen aufgeboten wurden...
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Alt 18.02.2010, 11:38   #338 (permalink)
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Es geht hier nicht um das individuelle Erleben oder Verhalten Einzelner. Ich gestehe jeder Generation alle "Sorten" Charaktere zu.
Hier geht es um das Märchen, die 68er hätten die BRD vor dem sicheren Weg in den Faschismus bewahrt. Das ist einfach Unfug.
Für die vielzitierte "Aufarbeitung" in Sachen Filbinger (immer wieder "Paradebeispiel") verweise ich nur beispielhaft auf Rolf Hochhuth....

Auch ist es kaum verwunderlich, dass gerade seit etwa 1995 ausserordentlich viele "persönliche Erinnerungen" einer seinerzeit schwer bekämpften und mundtot gemachten Generation verlegt werden.

Zumindest faschistoid geprägt dagegen waren etliche Debatten, denen man in den 80ern an der Uni ausgesetzt war.
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Alt 18.02.2010, 14:18   #339 (permalink)
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Zitat:
Zitat von koboldblau Beitrag anzeigen
Es geht hier nicht um das individuelle Erleben oder Verhalten Einzelner. Ich gestehe jeder Generation alle "Sorten" Charaktere zu.
Hier geht es um das Märchen, die 68er hätten die BRD vor dem sicheren Weg in den Faschismus bewahrt. Das ist einfach Unfug.
Für die vielzitierte "Aufarbeitung" in Sachen Filbinger (immer wieder "Paradebeispiel") verweise ich nur beispielhaft auf Rolf Hochhuth....

Auch ist es kaum verwunderlich, dass gerade seit etwa 1995 ausserordentlich viele "persönliche Erinnerungen" einer seinerzeit schwer bekämpften und mundtot gemachten Generation verlegt werden.

Zumindest faschistoid geprägt dagegen waren etliche Debatten, denen man in den 80ern an der Uni ausgesetzt war.
Gerade diese Person zeigt was Netzwerk und Machtausübung bewirkt. Ein Beispiel das ich als damals persönlich dort ansässiger miterlebte.
Es wurde für Freiburg-Ebnet eine Ortsumgehung benötigt, da die Verkehrsbelastung durch den Bau der Dreisamautobahn so stark angeschwollen ist, dass sich eine Dauerstausituation bis in die Stadt entwickelte, bedingt durch ein Nadelöhr in Ebnet.
Da ein Tunnelbau zur Umgehung nötig war wurde dieser auch geplant, ein Bekannter saß damals im städtischen Planungsbüro. Jeder wunderte sich, dass nach 20Jahren das Projekt immer noch in der Planungsphase war. Erst nach dem Tod des sauberen Herren wurde ruckzuck die Umgehung gebaut. Erst dann ist man darauf gestoßen, daß dieses Projekt von dem sauberen Herrn plockiert wurde, weil der Tunnel unter seinem Grundstück verlief. Die Lärm- und Abgasbelästigung tausender Anwohner über 20 Jahre hinweg, die daraus resultierenden Krankheiten samt Kosten und die verbratenen Steuergelder für das Sponsoren des Einbaus von Schallschutzfenstern (was keine Erleichterung brachte angesichts sich meterweise fortbewegender LKW-Schlangen) waren nicht relevant. Exemplarisch ist wie selbst nach dem Ausscheiden aus Amt und Würden der Bau bis nach dem Tod vom Netzwerk unterbunden wurde und bis heute keiner zur Verantwortung gezogen wurde.
Macht pur.

Eventuell brauchten die Nach68iger so lange weil sie sich mit zwei Extremen auseinandersetzen muß. Mir geht es jedenfalls so. Ich gehöre direkt zur Nachfolgegeneration und mir waren die "Rechten" als auch die "Linken" suspekt.
Damals sagte ich. Rechts und Links unterscheiden sich in den Auswirkungen für den im System lebenden Menschen nicht. Ganz Rechts ist schon ganz Links und umgekehrt.
__________________
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